Handel im Wandel. Fusion von Karstadt und Galeria Kaufhof bietet Chancen für Attraktivitätssteigerung der Innenstädte

„Die Fusion der zwei Warenhausketten Karstadt und Galeria Kaufhof bietet neue Chancen für mehr Attraktivität und eine Wiederbelebung vieler Fußgängerzonen in kleineren und mittelgroßen Städten, in denen Karstadt und Galeria Kaufhof vertreten sind. Jahrzehntelang fungierten die großen Warenhäuser als Magnet in den Einkaufsstraßen und haben auch die Möglichkeit, dies wieder zu werden“, ist Eckhard Brockhoff, geschäftsführender Gesellschafter bei Brockhoff & Partner überzeugt.

Um diese Herausforderung zu meistern, sind Investitionen in die Bestandsimmobilien und kreative Konzepte für die Warensortimente unumgänglich. Gemeint sind bauliche Investitionen, um die Innenbereiche der Immobilien attraktiver zu gestalten. Die Warensortimente und deren Präsentation müssen vielerorts optimiert werden, um im Wettbewerb mit den Fachgeschäften zu bestehen. Durch die Präsenz von Love-Brands und renommierten Marken wird die Anziehungskraft der Warenhäuser maßgeblich gesteigert. Universallösungen kann es dabei keine geben. Jede Stadt und jede Einkaufsstraße werden eine Einzelbetrachtung und ein maßgeschneidertes Konzept benötigen.

„Die Hauptnachfrage sehe ich klar bei den Flächen im Untergeschoss, Erdgeschoss sowie im 1. Obergeschoss. In größeren Städten auch noch im 2. Obergeschoss. In den Etagen darüber sind kreative Nutzungsmöglichkeiten durch z. B. Logistikunternehmen denkbar, die vor allem durch den wachsenden Online-Handel einen immer weiter steigenden Flächenbedarf melden“, so Brockhoff, der vor über 30 Jahren mit der Vermarktung von Ladenlokalen in die Immobilienbranche einstieg und heute eine der führenden deutschen inhabergeführten Immobiliengesellschaften leitet. Die Publikation „Der Brockhoff“, in der er den deutschen Einzelhandel in den Innenstädten analysiert, ist branchenweit anerkannt.

„Natürlich darf man nicht die Augen davor verschließen, dass es auch Städte geben wird, die keine Kapazität für ein oder sogar zwei Warenhäuser bieten. Kreativität und Offenheit sind für eine Umnutzung der zumeist sehr gut gelegenen Immobilien gefragt“, weiß Eckard Brockhoff und machte bereits selbst vor, wie eine erfolgreiche Lösung aussehen kann. In Essen kaufte er das ehemalige Karstadt/Hertie-Haus, riss es gemeinsam mit zwei Partnern ab und errichtete an selber Stelle ein attraktives Geschäftshaus, das er weiter im Bestand hält. Im Erdgeschoss haben sich Aldi, dm, Deichmann und der TV-Koch Nelson Müller, im Untergeschoss ein Edeka etabliert. In den oberen Etagen arbeiten heute mehr als 500 Menschen in hoch modernen Büros.

Die Warenhausfusion hat somit grundsätzlich Potenzial, neben allen aktuell diskutierten Unsicherheiten auch neue Impulse für die Innenstädte zu liefern, die gerade für kleine und mittelgroße Städte, in denen die Klagen über die Entwicklung des Handels am stärksten sind, eine Wiederbelebung bedeuten können.

In der vergangenen Woche hat das Kartellamt grünes Licht für die Fusion der Warenhäuser Karstadt und Galeria Kaufhof gegeben. Wettbewerbsrechtliche Bedenken bestünden laut Kartellamt nicht. Vielmehr sei es die weitere Zunahme von E-Commerce, gegen die sich der stationäre Handel gut aufstellen müsse.