Verschiebung des Regionalplans Ruhr: Chancen und Risiken für das Ruhrgebiet

(Essen, 19.9.2019). Das war wahrlich ein Freitag, der 13. Vergangene Woche hat der Regionalverband Ruhr (RVR) bekannt gegeben, dass sich die Fertigstellung des Regionalplans Ruhr auf die erste Hälfte der neuen Wahlperiode verschieben wird. Wirtschaft und Kommunen fürchten einen Stillstand für die Ausweisung neuer Gewerbeflächen und einen Rückschritt für die wirtschaftliche Entwicklung der Metropole Ruhr. Eckhard Brockhoff, seit über dreißig Jahren erfolgreicher Gewerbemakler im Ruhrgebiet, sieht neben Risiken auch Chancen.

„Das Ruhrgebiet ist der größte Ballungsraum Deutschlands und birgt eine enorme Wirtschaftskraft, die oft noch im Verborgenen liegt und nicht genutzt wird. Einen gemeinsamen Entwicklungsplan halte ich für genau den richtigen Weg. Die einzelnen Städte müssen aufhören sich als Konkurrenten zu betrachten und als Region verstehen,“ so Eckhard Brockhoff. Investoren müssten zudem offen über die außergewöhnlichen Chancen informiert werden, die deutschlandweit im Ruhrgebiet einzigartig sind. Auch die zentrale Lage innerhalb Deutschlands wie Europa mit gut ausgebauter Verkehrsinfrastruktur sind ein entscheidender Standortfaktor, dessen Potenzial genutzt werden muss.

„Fehlende Planungssicherheit durch die Verschiebung des Regionalplans ist kontraproduktiv“

Gerade wegen seiner Wandlungsfähigkeit verfügt das Ruhrgebiet über Flächen, die hervorragend für die Ansiedlung neuer Investoren und moderner Unternehmen aus dem tertiären Sektor genutzt werden können. Hier gibt es viel zu tun. „Vielfach herrscht noch ein verstaubtes und trauriges Bild vom Ruhrgebiet in den Köpfen von Entscheidern und Investoren. Das muss sich ändern. Beispielsweise das Areal des Stahlwerks Phoenix West in Dortmund mit einer Gesamtgröße von 110 Hektar beschreibt eine hervorragende Entwicklung und gehört heute zu einem der größten Innovationsstandorte Deutschlands. Bald werden auf dem Gebiet mehr Menschen beschäftigt sein, als je zuvor. Ähnliche Bilder zeichnen sich an ganz vielen Stellen im Ruhrgebiet ab. Etwa in Bochum, auf dem ehemaligen Opel-Gelände, dem heutigen Entwicklungsareal Mark 51˚7 oder in Oberhausen rund um das Centro.“

Auch durch Nachverdichtung und Investitionen in bestehende Gewerbeflächen können neue Firmen im Ruhrgebiet angesiedelt werden. Leuchtendes Beispiel dafür ist die über Vermittlung von Brockhoff LOGISTICS erfolgte Ansiedlung der L-Shop-Team GmbH mit rund 56.500 m² Logistikfläche in Unna. Auf dem ehemaligen Metro-Gelände entsteht ein hochmoderner Logistikstandort. Die Bestandshallen konnten ebenso über den Essener Makler bis zum Beginn der Neubauaktivitäten mit vorgelagertem Abriss zwischenvermieten werden.

Auch das Gewerbegebiet Wattenscheid-West, für das innerhalb des Regionalplans Ruhr eine Flächenerweiterung abgelehnt worden war, ist heute nahezu vollvermietet. Noch vor gut fünf Jahren sah das anders aus und Leerstand prägte das Bild. „Sowohl die Makro- als auch die Mikro-Lage des Gewerbegebiets Wattenscheid-West sind erstklassig. Das haben wir potenziellen Interessenten vielfach deutlich machen und so erfolgreich zu einer Wiederbelebung des Gewerbegebiets beitragen können. Leerflächen haben wir erfolgreich vermietet und Eigentümer zur Nachverdichtung geraten,“ erklärt Eckhard Brockhoff, geschäftsführender Gesellschafter von Brockhoff & Partner.  Das 4.772 m² große, ehemalige Miele-Gebäude im Gewerbegebiet Wattenscheid-West ist durch Vermittlung von Brockhoff OFFICE vollvermietet. Von den auf dem Grundstück neu entstehenden Büro- und Hallengebäude ist nur noch ein Objekt verfügbar.

„Im Bestand geht viel, aber ohne Neubau und Ausweisung neuer Gewerbeflächen wird die Metropole Ruhr abgehängt“

Brockhoff macht aber auch ganz deutlich: „Ohne Neubau und Ausweisung von neuen Gewerbeflächen geht es nicht. Allein durch die hohe Anzahl von Uni-Absolventen werden in Zukunft mehr Flächen für Büros und Innovationsunternehmen benötigt. Auch die stetige Zunahme am Online-Handel fordert verstärkt Logistikflächen. Dies muss zügig geschehen, damit das Ruhrgebiet nicht abgehängt wird. Ich bin der Meinung, dass die Metropole Ruhr weiter sein könnte, als sie ist.“ Wünschenswert sind aus Sicht des Gewerbemaklers daher nicht nur Neubauten für die Eigennutzung, sondern auch spekulative Bauprojekte. „Wir haben im Ruhrgebiet eine ganze Reihe von sehr engagierten Bürgermeistern und Baudezernenten, die sich am Markt auskennen und einen guten Job machen. Insgesamt müssten aber noch viel mehr Baukräne im Ruhrgebiet zu sehen sein,“ erklärt Brockhoff.

Wichtig sei für die Entwickung der Region auch, dass sich die Städte und Kommunen nicht untereinander Investoren abjagen. Viel mehr müssten Menschen aus anderen Regionen ins Ruhrgebiet geholt werden. Dazu müssten die einzelnen Wirtschaftsförderungen enger zusammen und einheitlicher arbeiten. „Die regionale Wirtschaftsförderung der Business Metropole Ruhr leistet hier gute Arbeit und muss aus meiner Sicht noch gestärkt werden,“ so Brockhoff.

Eine einheitliche Gewerbesteuer sieht Brockhoff als Grundvoraussetzung. „Die Stadt Monheim am Rhein hat ihren Hebesatz im Jahr 2012 auf 300€ gesenkt und in dem Zuge neue Gewerbeflächen ausgewiesen. Das hat wunderbar funktioniert. Investoren und Unternehmen haben sich angesiedelt. Die Stadt Mülheim an der Ruhr hingegen plant aktuell eine Erhöhung des Hebesatzes auf 580 €. Das halte ich für wenig motivierend, sich mit einem Gewerbe in Mülheim anzusiedeln.“